6 Aug. 2026

By: Rafaela Kava

Propionat: Der unterschätzte Treiber der Milchleistung

MILCHVIEHERNÄHRUNG

Propionat: Der unterschätzte Treiber der Milchleistung

Wie Pansenbiologie, Glukosestoffwechsel und marine Bioaktivstoffe die Milchproduktion beeinflussen.

Über viele Jahre lag der Schwerpunkt in der Milchviehernährung auf einer höheren Trockenmasseaufnahme, einer verbesserten Faserverdaulichkeit und der Maximierung der Milchleistung.

Heute verlagern Fortschritte in der Pansenmikrobiologie den Fokus zunehmend auf die Frage, wie effizient der Pansen Nährstoffe in nutzbare metabolische Energie umwandelt.

GLUKOGENE ENERGIE

Warum Propionat so wichtig ist

Propionat ist die wichtigste gluconeogene Vorstufe bei Milchkühen. Obwohl es lediglich etwa 20–30 % der gesamten flüchtigen Fettsäuren (VFA), im Pansen ausmacht, stellt es das wichtigste Substrat für die Glukoneogenese dar.

Die Förderung der Propionatbildung bedeutet daher nicht nur eine Veränderung der Pansenfermentation, sondern eine effizientere Umwandlung von Nährstoffen in Milch.

20–30%
of total ruminal VFAs
with a central role in glucose production

Warum Glukose die eigentliche Währung der Milchproduktion ist

Im Gegensatz zu monogastrischen Tieren nehmen Milchkühe nur sehr geringe Mengen Glukose direkt über das Futter auf. Stattdessen werden Stärke, Zucker und Strukturkohlenhydrate durch die Pansenmikrobiota zu flüchtigen Fettsäuren fermentiert.

Acetat

wichtigste Vorstufe für die Milchfettsynthese.

Butyrat

unterstützt die Entwicklung des Pansenepithels und liefert Energie für das Pansengewebe.

Propionat

wird zur Leber transportiert und dient dort als wichtigste Ausgangssubstanz für die Glukoneogenese.

Die gebildete Glukose ist für zahlreiche physiologische Prozesse unverzichtbar, darunter Immunfunktionen, Gehirnstoffwechsel und fetale Entwicklung. Während der Laktation besteht der größte Bedarf jedoch für die Laktosesynthese.

Laktose bestimmt das Milchvolumen.

Sie reguliert den osmotischen Druck in der Milchdrüse und zieht dadurch Wasser in die Milch. Da Glukose für die Laktosesynthese benötigt wird, stellt die Propionatbildung einen entscheidenden Faktor zur Unterstützung der Milchproduktion dar – insbesondere während der frühen Laktation.

FERMENTATIONSGLEICHGEWICHT

Das Acetat-Propionat-Verhältnis

Die Pansenfermentation wird nicht nur durch die Konzentration einzelner flüchtiger Fettsäuren bestimmt, sondern ebenso durch deren Verhältnis zueinander.

Ein niedrigeres Acetat-Propionat-Verhältnis (A:P) weist in der Regel auf einen höheren Anteil propionatbildender Fermentationsprozesse hin und erhöht dadurch die Verfügbarkeit gluconeogener Substrate für die Leber.

Higher and lower acetate-to-propionate ratio and glucogenic fermentation

Ein niedrigeres A:P-Verhältnis bedeutet nicht, dass Acetat unerwünscht ist. Ziel ist vielmehr ein ausgewogenes Pansenökosystem, das alle drei Haupt-VFA entsprechend den physiologischen Anforderungen der Kuh effizient produziert.

PANSENBIOLOGIE

Mehr als Fermentation: Warum das Pansenmikrobiom entscheidend ist

Der Pansen beherbergt Billionen von Bakterien, Protozoen, Pilzen und Archaeen, die zusammen ein hochkomplexes mikrobielles Ökosystem bilden.

Die moderne Forschung betrachtet den Pansen nicht mehr lediglich als Fermentationsbehälter, sondern als ein dynamisches biologisches System, dessen Funktion die Nährstoffverwertung, Fermentationseffizienz und letztlich die Tierleistung maßgeblich beeinflusst.

Dairy cow with rumen illustration
1
Mikrobielle Aktivität
2
Fermentationseffizienz
3
Nährstoffverwertung
4
Tierleistung
MARINE BIOAKTIVSTOFFE

Warum Algen in der Milchviehernährung zunehmend an Bedeutung gewinnen

Marine Makroalgen unterscheiden sich grundlegend von herkömmlichen Futtermitteln. Anstatt primär Energie oder Protein bereitzustellen, liefern sie eine natürliche Vielfalt bioaktiver Verbindungen, die über mehrere sich ergänzende Mechanismen mit der Pansenbiologie interagieren.

Ganzalgenprodukte enthalten ein breites Spektrum natürlicher Inhaltsstoffe, darunter:

• Komplexe marine Polysaccharide
(z. B. Laminarin, Fucoidan, Ulvan und Alginat)
• Marine Polyphenole
(einschließlich Phlorotannine).
• Natürliche Pigmente
(z. B. Carotinoide und Chlorophyll-Derivate)
• Osmoprotektive Moleküle
wie Betain

Im Gegensatz zu isolierten Extrakten, die nur einzelne Verbindungen enthalten, bewahren Ganzalgenprodukte diese natürliche Komplexität. Dadurch können zahlreiche Bioaktivstoffe gleichzeitig innerhalb des Pansenökosystems wirken. Dieser Multi-Bioaktivstoff-Ansatz gewinnt zunehmend an Bedeutung, da Tierernährer nach Strategien suchen, die die Pansenfunktion über mehrere komplementäre Wirkmechanismen unterstützen.

Wie marine Bioaktivstoffe die Propionatbildung beeinflussen können

Marine Bioaktivstoffe beeinflussen die biologischen Prozesse, die der Fermentation zugrunde liegen, anstatt die Fermentation lediglich zu stimulieren.

1
Marine Bioaktivstoffe
2
Modulation der mikrobiellen Aktivität und der Fermentationsmuster
3
Unterstützung der mikrobiellen Anpassung an Futterumstellungen und Beeinflussung der Wasserstoffverwertung
4
Verschiebung der Fermentation zugunsten einer höheren Propionatbildung
5
Intensivere gluconeogene Fermentation und verbesserte Energieversorgung
OceanFeed™ Ruminants
OceanFeed™ kombiniert sorgfältig ausgewählte braune, rote und grüne Makroalgen und liefert dadurch ein natürlich vielfältiges Profil mariner Bioaktivstoffe.
KOMMERZIELLE ANWENDUNG

OceanFeed™: OceanFeed™: Von der Pansenbiologie zur wirtschaftlichen Leistung

OceanFeed™ kombiniert sorgfältig ausgewählte braune, rote und grüne Makroalgen und liefert dadurch ein natürlich vielfältiges Profil mariner Bioaktivstoffe.

KONTROLLIERTE FORSCHUNG

Wageningen-Studie

In einer kontrollierten Studie von Wageningen Livestock Research führte die Supplementierung mit OceanFeed™ zu messbaren Veränderungen der Pansenfermentation.

≈7%Propionatkonzentration um etwa
Lower A:PSignifikante Verringerung des Acetat-Propionat-Verhältnisses

Verschiebung hin zu einem stärker gluconeogenen Fermentationsprofil, das mit einer höheren Verfügbarkeit von Substraten für die hepatische Glukosebildung übereinstimmt.

KOMMERZIELLE VALIDIERUNG

Von der biologischen Reaktion zum Produktionsnutzen

Unter Praxisbedingungen spiegelten sich diese biologischen Veränderungen in deutlichen Produktionsvorteilen wider.

+588 kgMilch pro Kuh über eine 305-Tage-Laktation
Frühe Laktationstärkste Veränderungen der Milchleistung während der Phase mit dem höchsten Energiedefizit.
Ältere Kühegrößte Steigerung der Milchleistung, entsprechend ihrem höheren Stoffwechselbedarf und Nährstoffumsatz.
Niedrigere Zellzahl (SCC)bei älteren Kühen beobachtet, was auf eine mögliche Verbesserung der Eutergesundheit hinweist.

Diese Beobachtungen deuten darauf hin, dass OceanFeed™ insbesondere in Phasen erhöhter metabolischer Belastung einen besonderen Nutzen bieten kann, wenn eine effiziente Nährstoffverwertung besonders wichtig ist.

BREITERER BIOLOGISCHER NUTZEN

Mehr als nur Methan

Eine ausschließliche Fokussierung auf Methan greift zu kurz und übersieht die umfassenderen biologischen Prozesse, die die Leistungsfähigkeit bestimmen.

Traditioneller Fokus

  • Methanreduktion
  • Emissionen
  • Kohlenstoffverlust
  • Nachhaltigkeit

Ganzheitlicher biologischer Ansatz

  • Effizientere Fermentation
  • Verbesserte Nährstoffverwertung
  • Mehr gluconeogene Energie
  • Produktivität und Nachhaltigkeit

Ein Pansenmilieu, das eine effiziente Fermentation und eine höhere Propionatbildung begünstigt, kann Vorteile bieten, die weit über die Emissionsreduktion hinausgehen.

FAZIT

Die Zukunft der Milchviehernährung ist biologisch

Die nächste Generation der Milchviehernährung wird sich nicht nur darauf konzentrieren, Nährstoffe bereitzustellen, sondern vor allem die biologischen Systeme zu unterstützen, welche diese Nährstoffe in produktive Leistung umwandeln.

Im Mittelpunkt dieser Entwicklung steht Propionat – einer der wichtigsten, aber häufig unterschätzten Treiber der Milchleistung. Mit der fortschreitenden Forschung zu marinen Bioaktivstoffen zeigen Ganzalgenlösungen wie OceanFeed™, wie die Unterstützung der Pansenbiologie dazu beitragen kann, die Produktionseffizienz unter Praxisbedingungen zu verbessern.